Wer schon einmal vor dem Regal mit Kollagen-Präparaten stand, kennt das Problem: Auf der einen Packung wird Marine-Kollagen Typ I beworben, auf der nächsten Rinder-Kollagen Typ I & III, und wieder andere Hersteller setzen ausschließlich auf Hühner-Kollagen Typ II. Der Unterschied ist keineswegs unerheblich — denn jeder Kollagentyp hat unterschiedliche Aufgaben im Körper.
Die 28 Kollagentypen — wissenschaftlich geordnet
Insgesamt sind aktuell 28 verschiedene Kollagentypen wissenschaftlich beschrieben. Sie werden mit römischen Ziffern (I bis XXVIII) durchnummeriert. Allerdings sind nur etwa fünf davon für praktische Anwendungen relevant — der Rest spielt eine wichtige Rolle in spezifischen Geweben wie der Hornhaut des Auges, der Plazenta oder bestimmten Membranen.
Für Nahrungsergänzungen und Anti-Aging-Präparate sind die folgenden Typen von Bedeutung:
Kollagen Typ I — der „Allrounder"
Typ I ist mit Abstand das häufigste Kollagen im menschlichen Körper. Etwa 90 Prozent der gesamten Kollagenmasse entfallen auf diesen Typ. Man findet ihn überall dort, wo Zugfestigkeit gefragt ist:
- Haut (insbesondere Lederhaut/Dermis)
- Sehnen und Bänder
- Knochen
- Zähne (Dentin)
- Bindegewebe der inneren Organe
Aufgrund seiner Dominanz in Haut und Bindegewebe ist Typ I die erste Wahl für alle, die ihre Hautelastizität, Hautfeuchtigkeit und Spannkraft unterstützen möchten. Typische Quellen für Typ-I-Kollagen sind Marine-Kollagen (aus Fischhaut und -schuppen) sowie Rinder-Kollagen.
Kollagen Typ II — die Gelenk-Spezialität
Während Typ I das Bindegewebe stützt, ist Typ II der wichtigste Baustein des Gelenkknorpels. Etwa 80 Prozent des hyalinen Knorpels bestehen aus diesem Kollagentyp. Auch in den Bandscheiben und im Glaskörper des Auges findet man Typ II.
Für Menschen mit Gelenkbeschwerden, beginnender Arthrose oder hoher sportlicher Belastung ist Typ II besonders interessant. Es wird in der Regel aus Hühnerbrustknorpel gewonnen — eine besonders ergiebige natürliche Quelle. Eine bemerkenswerte Variante ist das sogenannte undenaturierte Typ-II-Kollagen (UC-II): Es wird in deutlich geringerer Dosierung verwendet (nur ca. 40 mg täglich), wirkt aber über einen immunologischen Mechanismus, der die Toleranz gegenüber dem körpereigenen Knorpelgewebe fördert.
Hydrolysiertes vs. undenaturiertes Kollagen
Hydrolysiertes Kollagen (Kollagen-Hydrolysat, Peptide):
in kleine Bruchstücke aufgespalten, gut bioverfügbar, Dosierung
meist 5–15 g pro Tag.
Undenaturiertes Kollagen (UC-II): in nativer Form
belassen, wirkt über das Immunsystem, sehr geringe Tagesdosis (ca. 40 mg).
Kollagen Typ III — Partner von Typ I
Typ III tritt fast immer zusammen mit Typ I auf. Er ist besonders in retikulärem Bindegewebe, in der Wand von Blutgefäßen, in inneren Organen sowie in junger Haut zu finden. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil von Typ III in der Haut deutlich ab — was als einer der Faktoren für die nachlassende Hautelastizität gilt.
Viele Premium-Kollagenpräparate setzen daher gezielt auf die Kombination Typ I + Typ III, um die natürliche Zusammensetzung jugendlicher Haut zu imitieren.
Kollagen Typ V — das „Verstecke"
Typ V macht nur einen kleinen Anteil aus, ist aber funktionell wichtig: Er fungiert als eine Art „Architekt“ für die Bildung der dickeren Kollagenfasern aus Typ I und III. Außerdem ist er in Haaren, der Plazenta sowie in den Zellmembranen vorhanden. Einige Premium-Präparate enthalten ihn als Ergänzung.
Kollagen Typ X — für die Knochen
Typ X spielt eine spezifische Rolle bei der Knochenneubildung und der Mineralisierung von Wachstumsknorpel. Er ist vor allem in der Sportmedizin und Geriatrie von Interesse, wenn es um Heilungsprozesse nach Knochenbrüchen oder Osteoporose-Vorbeugung geht.
Welche Quellen liefern welche Typen?
Die häufigsten Quellen für Kollagen-Präparate sind:
- Rinder-Kollagen: liefert vor allem Typ I & III. Klassische Wahl für Haut, Haar und Bindegewebe.
- Marine-Kollagen (Fisch): überwiegend Typ I. Kleinere Peptide, besonders gute Bioverfügbarkeit, geringe allergische Reaktionen.
- Hühner-Kollagen: vor allem Typ II. Zielgerichtet für Gelenke und Knorpel.
- Eierschalenmembran: enthält Typ I, V und X sowie Hyaluronsäure und Glucosamin — daher oft für Gelenkprodukte verwendet.
- Schweine-Kollagen: Mischung verschiedener Typen, seltener verwendet, da geringere Akzeptanz aus religiösen und tierschutzbezogenen Gründen.
Eine ausführliche Gegenüberstellung von Marine- und Rinder-Kollagen sowie der verschiedenen Darreichungsformen finden Sie in unserem Artikel zu Pulver vs. Kapseln.
Welchen Typ sollten Sie wählen?
Die Wahl hängt klar vom Ziel ab. Eine Übersicht:
- Schöne Haut, weniger Falten, gesunde Haare und Nägel: Typ I & III aus Marine- oder Rinder-Kollagen.
- Gelenkschmerzen, Sportverletzungen, Arthrose-Vorbeugung: Typ II — entweder hydrolysiertes Typ-II-Kollagen (10 g/Tag) oder undenaturiertes UC-II (40 mg/Tag).
- Knochengesundheit, Osteoporose-Risiko: Typ I in Kombination mit Calcium, Vitamin D und Vitamin K2.
- Wundheilung, Bindegewebe stärken: Typ I & III mit Vitamin C als Cofaktor.
Multi-Kollagen-Präparate — sinnvoll oder Marketing?
Seit einigen Jahren bewerben Hersteller verstärkt sogenannte Multi-Kollagen-Pulver, die mehrere Typen (oft I, II, III, V und X) in einem Produkt vereinen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Mehrwert begrenzt: Studien zu Wirksamkeit untersuchen meist isolierte Kollagentypen, und die Tagesdosis pro Typ ist in Mischpräparaten zwangsläufig geringer. Für Anwender, die einen breiteren Effekt suchen und nicht auf einen spezifischen Anwendungsbereich abzielen, können Multi-Produkte jedoch eine praktische Lösung sein.
Fazit
Nicht jeder Kollagentyp passt zu jedem Ziel. Wer gezielt Hautelastizität fördern möchte, wählt Typ I oder I+III. Bei Gelenkproblemen ist Typ II die fundierte Wahl. Multi-Präparate sind eine pragmatische Lösung, ersetzen aber keine zielgerichtete Auswahl. In jedem Fall gilt: Die Bioverfügbarkeit, die Reinheit der Rohstoffe und die Tagesdosierung entscheiden mindestens so sehr über den Erfolg wie der Typ selbst.